Wednesday, 30. September 2009Ende der Krise„SPIEGEL ONLINE” ist sich für Schlagzeilen nie zu schade. Heute brechen die Aufträge im deutschen Maschinenbau um 43% ein. Und das „zum elften Mal in Folge”. Wenn man das so liest, könnte man den Eindruck gewinnen, der deutsche Maschinenbau würde nur noch aus einer kleinen Butze in Hintertupfingen bestehen. Wenn man berücksichtigt, dass es um die Zahlen vom August im Vorjahresvergleich geht, sieht das alles gleich weniger schlimm aus. Man muss „SPIEGEL ONLINE” zugestehen, dass das auch so im Text steht, irgendwo zwischen Attributen wie „desaströs”, „massiv” und „rasant”. Den großen Einbruch hatten wir im Verlauf des vierten Quartals 2008 im Zusammenhang mit der Pleite der Lehman Brothers. Seitdem bringt „SPIEGEL ONLINE” jeden Monat so eine Horrormeldung. Tatsächlich ist es so, dass der Auftragseingang dieses Jahr auf niedrigem Niveau verharrt. Würde man das jeden Monat auch so formulieren, wäre die Meldung ungefähr so erfrischend wie die Mitteilung eines Beifahrers an den Fahrer: „Es ist immer noch rot!” Es handelt sich bei dem Artikel eben nicht um eine Meldung, sondern um Effekthascherei, um nicht zu sagen Panikmache. Eins jedoch finde ich erfreulich: Nach der Logik von „SPIEGEL ONLINE” ist die Krise in Kürze vorbei. Zwar werden die Auftragseingänge weiter auf niedrigem Niveau verharren, in den Zahlen (die „SPIEGEL ONLINE” verwendet) wird sich das aber nicht mehr niederschlagen. Desertec gewinnt an FahrtEs ist noch gar nicht so lange her, dass ich zum ersten Mal von Desertec gelesen habe. Die wollen mit solarthermischen Kraftwerken in der Wüste Strom erzeugen. klang das alles noch sehr nach Utopie. Trotzdem spielte der Name von da an in jedem Gespräch eine Rolle, in dem es auch um den Klimawandel ging. Heute macht die Firma wieder eine Schlagzeile. Zwei Dinge finde ich bemerkenswert:
Sunday, 20. September 2009Die Angst vor den drei UInzwischen macht sich auf den Aktienmärkten die Sorge breit, die Aktien könnten inzwischen schon ein wenig hoch bewertet sein. Spiegel online kolportiert bezugnehmend auf Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, wir würden es mit drei „U” zu tun bekommen! Um das zu erklären: Leute, die zu viel mit Geld zu tun haben, sehen Buchstaben in den Börsenkursen. Manche glauben, die Aktienindizes würden in dieser Krise wie ein „V” verlaufen, andere erwarten einen zweiten Einbruch, so dass man hinterher sowas ein „W” erkennen kann. Manche glauben, es werde bei einem Einbruch bleiben, der aber lange anhalte. Das bezeichnen sie dann als „U”. Walter glaubt nun, dass es auf drei „U” hinauslaufen werde. Wer sich Walters Optimismus zueigen machen möchte, der spreche das einfach mal aus: „Uuu!” Was ist dran an Walters Sorgen? Nach seiner Darstellung befinden wir uns im rechten Teil des ersten „U”. Das nächste „U”, also den nächsten Einbruch, erwartet er infolge steigender Arbeitslosenzahlen. Das würde mich überraschen. Entlassungen werden eigentlich immer als gute Nachrichten für die Unternehmen bewertet, die damit ihre Kostenstruktur bereinigen. Das führt zu steigenden Aktienkursen. Natürlich wirken sich steigende Arbeitslosenzahlen negativ auf die Nachrfage nach Konsumgütern aus. Nur hat der Konsumweltmeister USA den Arbeitsplatzabbau weitestgehend hinter sich. In Europa sind die Sozialsysteme in der Lage, den Nachfragerückgang zu dämpfen. Deutschland als exportorientiertes Land wird dadurch ohnehin weniger betroffen sein. Das dritte U erwartet Walter, wenn die Zentralbanken die Geldmenge wieder reduzieren. Sowas hatten wir schon mal. Beim letzten mal hat das dazu geführt, dass amerikanische Häuslebauer ihre Hypotheken nicht mehr bezahlen konnten. Das war der erste Strich des Börsenbuchstaben, den wir gerade malen. Wenn wir die Zinswende sehen, können wir getrost von einem neuen Konjunkturzyklus (für Analysten: Chartbuchstaben) sprechen. In einer Sache schließe ich mich Walters Prognosen an: Ich erwarte auch eine Korrektur an der Börse, wenn auch aus einem ganz anderen Grund. Ich glaube, dass die Aktienkurse in letzter Zeit stark von psychisch getrieben waren. Die Anleger hatten Angst, den Aufschwung zu verpassen. Inzwischen sind die Kurse fundamental überbewertet, so dass sich Unsicherheit einschleicht, auch das ist zum Teil ein psychisches Phänomen. Der Abwärtstrend wird aber höchstens anhalten, bis die Unternehmen nach der Bundestagswahl ihre Kostenstruktur konsolidieren, also Arbeitsplätze abbauen. Dann haben die steigenden Kurse eine fundamentale Grundlage. Dass die knapperen Produktionskapazitäten dann zu steigenden Preisen führen, die die Zentralbanken zwingen, die Geldmenge zu reduzieren, ist das bekannte Spiel der Konjunktur. Friday, 18. September 2009Mir schlottern die KnieAl Qaida will unsere Wahlentscheidung beeinflussen. Vielleicht mache ich doch heimlich — die Wahl ist ja zum Glück geheim — mein Kreuz bei der CDU, nur um die zu ärgern? Angst habe ich bei El-Kaida jedenfalls höchstens vor der Zahl der möglichen Schreibweisen. Mehr Angst habe ich vor dem Straßenverkehr, meinem eigenen Haushalt und dem Modesalat Rucola. Dafür möchte ich an dieser Stelle mal ganz herzlich der Polizei danken, wo doch in letzter Zeit so heftig auf ihr herumgetrampelt wird — wenn auch nicht ganz zu unrecht. Nachtrag 20:42 Uhr: Kann mir mal jemand erklären wie man mit Maschinenpistolen Terroranschläge verhindert? Thursday, 17. September 2009Egal was wir wollen, Hauptsache, Sie wählen uns!Westerwelle sagt, eine Stimme für die Piratenpartei sei „im Gulli”. Ich wolte es genau wissen. Wir haben mit der FDP im Zusammenhang mit Bürgerrechten ja nicht die beste Erfahrung. Also habe ich nachgefragt. Ich habe einiges an Kritik gegen Westerwelles Antwort vorzubringen.
Der Westerwelle lächelt ja im Fernsehen immer so nett. Aber das reicht mir doch nicht, um FDP zu wählen. Die Grünen stellen heute übrigens ihr Sofortprogramm vor. Punkte sind unter anderem 7,50 € Mindestlohn, Begrenzung von Managerboni auf 500.000 €, Stopp des Baus von Kohlekraftwerken und strengere Regeln für AKWs. Als Schmankerl für die CDU fordert sie einen Untersuchungsausschuss zu Asse, Gorleben und Morsleben. Und die Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung. Dabei gibt es wohl kaum Verhandlungsspielraum. Man könnte meinen, damit wäre auch eine Ampel quasi ausgeschlossen. Aber wenn die FDP so biegsam ist, wie Westerwelle sie darstellt und wie sie außer 2005 immer war, würde mich Rot-Rot-Gelb auch nicht mehr überraschen. Friday, 11. September 2009Blanko unterschreibenBei mir um die Ecke ist ein Geldautomat der Postbank. Und der hat eine Eigenschaft, die mich bei jedem Besuch wieder frappiert. Dort gibt man zuerst seine Geheimzahl ein, und erst anschließend wählt man den Betrag. Wenn man den schlimmsten Fall annimmt, hat ein böser Bube, der einen nach der Eingabe der Geheimzahl wegschubst, freie Auswahl. Der Schaden wäre wesentlich kleiner, wenn der Betrag vorher feststünde. Blöd genug ist es schon, wenn man sich einfach nur verdrückt und statt der Taste „100” die Taste „1000” erwischt. Es gibt keine Möglichkeit, sich zu korrigieren. Nebenbei sei erwähnt, dass sich der Automat nahe der Reeperbahn befindet. Gleich um die Ecke sind einige Kneipen, in denen es vor Taschendieben nur so wimmelt. Benutzt wird der Automat selbstverständlich auch von unbedarften Touristen. Ich gehöre zu der Sorte von Menschen, die Geld und Papiere getrennt aufbewahren. Das hat zwei Vorteile. Wenn eins verloren geht, bleibt immer noch eine Möglichkeit, um Fahrkarte oder Taxi nach Hause zu bezahlen. Zudem haben es Taschendiebe in aller Regel aufs Geld abgesehen. Wenn man mal beklaut wird, muss man wenigstens nicht noch für viel Geld neue Papiere besorgen. Deswegen mag ich die Automaten in den USA. Dort bekommt man seine Karte schon zurück, bevor man irgendeine Taste gedrückt hat. Das kommt mir sehr entgegen. Nach der Auszahlung mit Karte, Geld, Ausweismäppchen und Portemonnaie zu hantieren, ist nämlich zu viel für meine zwei Hände. Genauso handhabt das übrigens die Bahn an ihren Fahrkartenautomaten. Wenn das die Bahn schon macht, lässt das hoffen. Vielleicht entscheidet sich die Postbank ja doch einmal dazu, das OS/2-Gerät durch etwas neueres zu ersetzen. Sunday, 6. September 2009Niggemeiers TraumDer Medienkritiker Stefan Niggemeier berichtete vor drei Tagen in seinem Blog darüber, dass „Bild” sich in letzter Zeit bei Wahlen und Bürgerentscheiden regelmäßig auf die Verliererseite gestellt habe. Niggemeier prangert dabei an, dass mit freundlicher Berichterstattung belohnt werde, wer exklusiv mit „Bild” zusammenarbeite. Und er „freut” sich darüber, dass „Bild” damit im Fall Althaus gescheitert sei. Es mag sein, dass die Macht von „Bild” schwindet. Überrascht hat mich dann aber doch folgende These:
Wer aber eine Zeitung nach den Interessen solcher Seilschaften ausrichtet, darf sich nicht wundern, wenn sich das Publikum abwendet. Seit Kai Diekmann Chefredakteur ist, hat die „Bild”-Zeitung weit über eine Million oder ein Viertel ihrer Käufer verloren. Sicher nicht nur aus den beschriebenen Gründen, aber womöglich auch. Tatsächlich sinkt die Auflage der „Bild”-Zeitung seit langem. Ich habe einmal Daten von IVW zusammengestellt, aufbereitet und grafisch dargestellt. Ich habe mir exemplarisch vier Publikationen herausgesucht, um mir anzuschauen, wie „Bild” im Verhältnis zu Mitbewerbern abschneidet. Dabei habe ich stets den größten Topf ausgewählt, also alle Rubriken, alle Samstagsausgaben usw. Unter den Publikationen, die ich ausgewählt habe, sind zwei Tageszeitungen, nämlich „Der Tagesspiegel” und die „Süddeutsche Zeitung”. Den „SPIEGEL” habe ich mit hinzugenommen, weil ich den Online-Auftritt für besonders relevant halte, aber dazu später. Aus den Diagrammen, die die Verbreitung jeweils im zweiten Quartal einmal absolut und einmal relativ mit den Zahlen von 2004 als Grundlage darstellen, wird deutlich, dass die Verbreitung von „Bild” stärker fällt als die aller anderen Publikationen, wenn auch auf hohem Niveau.
Ganz anders sieht die Sache aber aus, wenn man sich einmal die Zugriffszahlen der Onlinepräsenzen anschaut. Ich muss anmerken, dass die Zahlen des Tagesspiegels von 2004-2006 auf „meinberlin (Der Tagesspiegel, Zitty)” beruhen. Ich bin dem im Detail nicht nachgegangen, da „tagesspiegel.de” die am wenigsten interessanten Zahlen bietet. Dargestellt sind jeweils die Pageimpressions und Visits vom Juli des betroffenen Jahres. Auch hier habe ich die Zahlen absolut und relativ dargestellt.
Deutlich ist zu sehen, dass „bild.de” sich anschickt, von den Visits her zu „spiegel.de” aufzuschließen. Nur „sueddeutsche.de” erreicht ein vergleichbares Wachstum, aber auf deutlich niedrigerem Niveau. Beim Wachstum lässt „bild.de” „spiegel.de” weit hinter sich. Schauen wir auf die Klicks.
Hier ist das Bild noch deutlicher. „bild.de” ist in absoluten Zahlen führend und hängt beim Wachstum alle anderen Sites deutlich ab. Zwar ist die Zahl der Seitenzugriffe online nicht direkt mit der Zahl der verkauften Druckerzeugnissen vergleichbar. Allein auf Grundlage der verkauften Zeitungen zu behaupten, „Bild” verliere Leser, halte ich allerdings für gewagt. Das darüber hinaus auf die politischen Kampagnen zurückzuführen, entbehrt jeder Grundlage. Auf Niggemeiers „womöglich auch” kann man deshalb wohl nur antworten: „Wahrscheinlich nicht.” Das beschriebene Phänomen fallender Leserzahlen existiert nämlich vermutlich gar nicht. Für eher plausibel halte ich die These, dass es „Bild” verhältnismäßig gut gelingt, im Onlinegeschäft Fuß zu fassen. Möglicherweise wird im Verlag auch das Onlinegeschäft auf Kosten des Print-Geschäfts gefördert. Niggemeier als Medienblogger sollte so eine unternehmerische Entscheidung nicht überraschen. Nachtrag 21:42: Zum Vergleich online/print sei noch hinzugefügt, dass sich die Visit-Zahlen auf einen Monat beziehen. 105 Mio. Visits entsprechen also etwa 3,5 Mio. Besuchen am Tag. Jeder Besucher auf „bild.de” macht etwa 14 Klicks. Dem gegenüber stehen 3,24 Mio. Zeitungen am Tag. Zumindest ist zu sagen, dass der Onlinebereich bestimmt nicht irrelevant ist. 22:16: Kleine Korrekturen
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